Gestörte Produktions- und Lieferketten infolge von Kriegen sowie Dynamiken am Öl-Markt
sind der Hauptgrund, eine weitere Rolle spielt der 2021 eingeführte CO2-Preis von fossilen Brennstoffen.
Mit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und den damit einhergehenden Sanktionsmaßnahmen gegen Russland im Bereich Energie- / Öl-Handel zogen die Preise langsam steigend an. Und mit Beginn der US-Angriffe auf den Iran und der Schließung der Straße von Hormus durch den Iran, schoss der Liter-Preis zwischen Anfang und Mitte März 2026 für Benzin und Diesel in Deutschland recht schnell auf die 2-Euro Marke hoch bzw. überschritt diese bis in den 2,20 Euro Bereich (ähnlich hoch wie im Frühjahr / Frühsommer 2022).
In zahlreichen anderen Ländern zogen die Preise weniger schnell an, kratzen jedoch Ende
März 2026 auch an der 2-Euro Marke oder überschritten sie ebenfalls. Ab Ende März 2026
sind alle im Krisen-Modus. – auch die Autofahrer*innen in den USA. Im Zuge eines Monats ab Mitte Februar 2026 stieg der durchschnittliche Preis pro Gallone Kraftstoff von rund $ 3,0 auf ca. $ 4,0 bis hin $ 4,7 je nach Bundesstaat.
Eckwerte
Aus rund 159 Liter Roh-Öl (crude) werden verschiedene Brennstoffe und Vorprodukte zur Herstellung anderer Güter (z.B. Kunststoffe) durch Raffinierungsverfahren gewonnen, wie die untenstehende Auflistung der End-Produkte aus 1 Barrel Roh-Öl als grobe Misch-Kalkulation zeigt.

Nach der Öl-Förderung ist die Raffinierung des Roh-Öls der wesentliche Vorgang zur Her-stellung diverser End-Produkte. Je nach Bedarf und Marktlage können die einzelnen Mengen der herzustellenden Produkte im Raffinierungsprozess variieren. Die oben angegeben Werte sind deshalb als Beispiel-Aufteilung zu verstehen.
In Raffinerien wird das Roh-Öl i.d.R. durch komplexe Verfahren in mehreren Verarbeitungs-gängen komplett zu den einzelnen Produkten verarbeitet, um stets die gesamte Raffinerie-Anlage auszulasten.
Der Preis für 1 Barrel der Sorte Brent crude betrug am 01. Mai 2026 $ 108,83 bzw. zum Tageskurs (1,174 €) 127,76 € pro Barrel. Auf 1 Liter Öl heruntergebrochen, ergeben sich
0,585 € / $ 0,685.
01. Modell-Rechnung ohne Tankrabatt · Kosten-Anteile Benzin Super E 10/Diesel in €
* Durchschnittswert aus Angaben für 2026 · ** Erdölbevorratungsverband Angabe 2026: 3,60 € / Tonne · AutoMotorSport 2022 · *** Vereinheitlichte Durchschnittswerte für unterschiedliche Raffinierungskosten und Gewinnmargen bei Benzin und Diesel · **** Barrel-Preis Brent crude, Dollar-Kurs 01. 05. 2026, umgerechnet in Euro
Setzt man die reduzierten Werte der Mineralöl-Steuer (siehe Tabelle 02. Modell-Rechnung) ein, so müsste sich der Endpreis beim Benzin Super E10 und beim Diesel um 0,20 € verringern, sofern die Kostenanteile der Mineralöl-Konzerne unverändert bleiben.
02. Modell-Rechnung mit Tankrabatt 0,17 € · Kosten-Anteile Benzin Super E10/Diesel in €
Beispiel Tankstelle in Stuttgart-Sillenbuch
An der hier als Beispiel ausgewählten Aral-Tankstelle betrug der Preis für 1 Liter Benzin
Super E10 um 12:15 am 02. Mai 2026 (erster Tag nach der Einführung des Tank-Rabatts)
2,069 €. Am 30. April 2026, lag der Preis bei 1,959 €. Innerhalb eines Zeitraumes von ca.
36 Stunden errechnet sich somit ein Unterschied von 11 Cent – und zwar als Preisanstieg
am 02. Mai gegenüber dem 30. April 2026.

Im 7-Tage Durchschnitt bis zum 01. Mai 2026 ergibt sich ein Preis von 1,979 € im Falle von Benzin Super E10. Der Brutto-Preis an der Tankstelle ist fast genauso hoch, wie vor Einführung des Tankrabatts.
Sofern die Kostenanteile der Mineralöl-Konzerne unverändert geblieben sind, hätte sich der durchschnittliche Brutto-Preis nach gut einer Woche nach Einführung des Tankrabatts um rund 0,20 € auf ungefähr 1,750 € verringern müssen. Dies ist jedoch nicht der Fall; die Preisent-wicklung verharrt gut eine Woche nach Einführung des Tankrabatts weiterhin bei durchschnitt-lich knapp 2,00 € je Liter Benzin Super E10. Warum?
Der hohe Ölpreis hat sich bis Ende der ersten Mai-Woche 2026 nur um rund $ 2,17 / Barrel verteuert (05. 05. 2026: $ 111,00) und die Raffinierungs- und Transportkosten dürften in dieser kurzen Zeit ebenfalls nicht angestiegen sein.
Die Kraftstoffpreise fallen trotz Tankrabatt seit dem 01. Mai 2026 bisher deshalb nicht, weil
die Mineralöl-Konzerne die Preise in den Tagen zuvor und bis zum 30. April 2026, kurzfristig deutlich in den Bereich von 2,15 € plus X hochgejubelt hatten; 12-Uhr Regelung hin oder her. Und abzüglich des staatlichen Tankrabatts in Höhe von 0,17 € und seitens der Mineralöl-Konzerne geringfügiger Gewinn- und Aufschlag-Reduzierungen, sinken die Kraftstoffpreise nun in der ersten Mai-Woche 2026 wieder auf das Niveau der magischen 2-Euro Marke. Aber eben nicht auf zu erwartende ca. 1,750 € / 1,800 € je Liter im Falle von Benzin Super E10. Ähnliches gilt für den Diesel-Preis.
Ein zweiter Grund liegt – trotz Waffenruhe seit dem 08. 04. 2026 - in der nach wie vor kaum veränderten Blockade-Situation in der der Straße von Hormus sowie in den festgefahrenen Verhandlungen mit dem Iran nach der „Epic Fury“ Attacke durch die USA. Diese militärische „Rush & Run Aktion“ sollte binnen weniger Wochen das schiitische Ajatollah-Regime in die Knie zwingen und die iranische Bevölkerung revoltierend auf die Beine bringen. Irgendwas mit Regime-Change, der irgendwie nicht funktioniert hat.
Inzwischen schallt das „Epic Fury“ Echo über zwei Monate durch den Nahen Osten – kein Ende in Sicht. Und im White House sowie im Pentagon ist es en passant gelungen, die verbündeten arabischen Staaten zu verärgern, weil diese die Einschläge iranischer Raketen auf ihren Territorien nicht mehr nur als Kollateralschäden bewerten, sondern als mangelnden Schutz durch die USA im Zuge des gesamten Kampfgeschehens. Ohnehin liegen einige OPEC- / Golf-Staaten seit längeren Jahren mit den USA im Clinch, was die Öl- und Gas-Förderstrategien betrifft.
Die OPEC-Staaten könnten prinzipiell in ihrer vereinten Zerstrittenheit (siehe jüngster Ausstieg der Vereinigten Arabischen Emirate aus dem Petrol-Export-Konsortium) durch deutliche Erhöhung ihrer Fördermengen dem Hormus-Problem zumindest markt-technisch und preis-politisch begegnen und für merkbare Entspannung am Öl-Markt sorgen.
Doch sie tun es bisher nicht. Anzunehmender Weise auch deshalb, weil sie verärgert über die trumpschen Ambitionen sind – nicht nur im Fall der Militär-Aktion wider die iranische Führung. Und so lassen die Scheichs am Golf den „King“ im Oval Office im eigenen Saft schmoren und schauen zu, wie sich die US-Administration aus der inzwischen verfahrenen Situation am Persischen Golf herauszuwinden gedenkt.
Die anfänglichen Bombardements auf den Iran waren militärisch furios – die sich danach entwickelte Energie-Krise könnte zum wahren epischen Ausmaß werden.
Gewöhnen wir uns also für längere Zeit als nur für die kommenden zwei Monate lang (dann ist der Tankrabatt auch wieder Geschichte) an aktuell hohe Sprit-Preise und daran, dass sich das Preis-Niveau mittel- und langfristig auf neuer Höhe einpendeln wird.
Es heißt ja in konjunkturellen Krisen immer bezüglich der Öl-, Sprit- und Energie-Preise they raise like a rocket and fall like a feather. Das stimmt soweit, aber die „Feder“ wird auch diesmal vermutlich nicht soweit fallen, dass sie auf einem Preis-Boden für einen Liter Sprit unter durchschnittlich 1,70 € in den kommenden Jahren landet. In Deutschland u.a. auch deshalb, weil die CO2-Steuer in den kommenden Jahren ordentlich nach oben geht.
Und dennoch - jede Zeit hat ihre Krisen und Transformationsprozesse, die es gesamtgesell-schaftlich zu bewältigen gilt. Gelegentlich ist dabei der Weg vom Guten zum Besseren steinig und schmerzvoll. Und so sei abschließend gefragt, was schmerzt mehr beim Krisen-Tanz in den Mai 2026 rund um die Zapfsäulen – ein mit ca. 20 Cent zu teuer empfundener Spritpreis oder 27 Prozent AFD-Zustimmungswert in jüngsten Umfragen?


