Im NRG-Stadium war es allerdings gar nicht so brütend heiß. Im mit beweglichen Glas-Elementen überdachten Stadion wurden dank Klima-Anlage wohltemperierte rund 22 Grad beim Auftaktspiel des DFB-Teams (formaly known as La Mannschaft) gemessen, als der Schiri um 12:00 Uhr Ortszeit zum High-Noon-Anstoß der Partie Deutschland – Curaçao anpfiff. Bei eher frühsommerlich milder Temperatur. Doch wir wissen ja – der chill factor – wenn die Klima-Anlage bläst, dann fühlen sich durchaus wärmende 22 Grad kälter an. Da kann es dann schon etwas chilly auf der Haut unter einem dünnen T-Shirt werden. Wer in solchen Situationen die passende Wechselwäsche dabei hat, ist klar im Vorteil. So wie der deutsche Bundestrainer.
Julian Nagelsmann schlüpfte kurz vor Spielbeginn, vom schwarzen DFB T-Shirt in ein stofflich dickeres Kurzarm-Feinstrickshirt aus reiner Bio-Baumwolle in der Farbe Deep Night Blue mit beige-grauen Längsstreifen und durchgängiger Knopfreihe - somit auch als Strickjacke tragbar.
Vor Unterkühlung gut geschützt verfolgte der Coach den noch jungen Spielverlauf und konnte bereits in der 06. Minute jubelnd und vor die Kameras springen. Tor durch Felix Nmecha. Doch in der 21. Minute glich Curaçao durch Livano Comenencia aus. Wie konnte das geschehen?
Schneller Konter durch Livano Comenencia von der Mittellinie aus, dann flacher Pass auf Sontje Hansen im Sechzehner. Niko Schlotterbeck stoppt den Ball zwar vor Hansen ab, verstolpert sich, fällt hin und schlenzt beim schnellen Aufstehen den Ball durch die Beine von Jürgen Locadia und damit vor die Beine des weiter heran sprintenden, völlig ungedeckten Livano Comenencia – und der zieht ab. Neuer ist geschlagen. Denn die deutsche Viererkette war nur zu Dritt – hatte Per Mertesacker uns nicht alle gewarnt?!
Nach dieser 21. Minute wurde es hektisch auf der deutschen Bank. Nagelsmann zog die Taktik-Tafel hervor, fingerte auf dem Pad herum und diskutierte mit dem Trainerstab. Man kam ins Schwitzen, besonders der Bundestrainer in seinem gestreiften Strick-Shirt. Jeder ist im Stress und „Major Tom“ macht jetzt keinen Scherz. Zum Glück kam wenige Minuten später der hydration break. Verschnaufpause. Bloß keine Eröffnungsspiel-Panik aufkommen lassen gegen die Underdogs aus der Karibik. Weiter ging's.
Schlotterbeck machte seinen vorherigen Faux Pas im Zechzehner in der 38. Minute wieder gut – 2:1 für Deutschland. Und in der 47. Minute schoss Jamal Musiala sein „Erlösungstor zum 3:1. Bis zum Spielende klingelte der Ball rund ein Dutzend Mal an der Haustür von Curaços‘ Torwart Eloy Room – und er ließ das Leder siebenmal rein. Endstand 7:1 für die Teutonen-Truppe.
Nagelsmann, am Ende hochzufrieden, war jedoch schon zur Halbzeit völlig durchgenässt auf dem Rasen im Raumschiff NRG-Stadium. To much mental heat beim WM-Debut. Das schlägt auf die Poren durch. Also legte er während der Halbzeitpause die wärmende, aber schwer verschwitzte Strickware ab und ein leicht-luftiges Normal-Shirt an. Wieder in schwarz, jedoch nur von vorn betrachtet normal.
Denn auf der Rückenseite waren in weißer Mini-Schrift leicht schräg gestellte Textzeilen mit gefühlten rund 200 Fan-Namen aufgedruckt. Nicht nur wegen Schwitze-Hitze hätte Nagelsmann die Trikotage gewechselt, sondern vor allem um die Fans zu würdigen. Also den sprichwörtlichen 12. Mann auf’m Platz oder die anderen 84 Millionen deutschen Bundestrainer.
Während der Spiel-Übertragung konnte man den Text auf dem Fan-Shirt nicht sehen, das ging jedoch später - z.B. in der BUNTEN (Foto Exteral Link (solange verfügbar >).
Er habe das Fan-Shirt angezogen (auch schon im Finnland-Spiel), „… um zu signalisieren, dass wir alle brauchen und alle mitnehmen”. Nach dem Spiel – dann erneut das T-Shirt gewechselt – ging es im offiziell-schwarzen DFB-Shirt mit Logo auf der Brust vor die TV-Kameras. Mit dem Taktik-Thema T-Shirt-Wechsel.
Nun ja liebe Fans – der Signal-Wert ist bei der weißen Mini-Schrift auf dem Fan-Shirt ziemlich gering. Da muss man schon direkt hinter Julian Nagelsmann stehen, um lesen zu können, ob vielleicht ein Fan wie Horst Karsunke aus Gelsenkirchen darauf verewigt worden ist, woll.
Hergestellt wurde das Fan-Shirt (leider in keinem Fan-Shop der Welt erhältlich) angeblich von Adidas als Einzelstück– wahrscheinlich aber als 5er-Set, weil der Zeugwart beim ganzen Reise-Hin-und-Her zwischen den Stadien ja ständig irgendwo eine Waschmaschine voller nasser Schwitzwäsche am laufen hat. Ein Fan-Shirt muss immer trocken bereit liegen. Aber egal – die Geste zählt.
Apropos Geste. Nicht nur Adidas, Telekom, Volkswagen, Zalando u.a.m. sind DFB FIFA WM 2026 Sponsoren, sondern auch Marc O’Polo mit der „DFB Travel Collection“.
So betrachtet war es ein klasse Werbe-Coup. Man erzählt ein paar Medien-Stunden lang eine textile Schwitz-Story, garniert mit magischem Fan-Kult in weiß auf schwarz, und schon weiß die halbe Welt, dass man den gestreiften Strick-Schick von Marc O‘Polo für 169,95 € (zzgl. Versandkosten) online bestellen kann. Oder doch lieber im DFB-Shop die neuen baby-blauen „Auswärts-Strampler“ mit einem Hauch von Layer-Look? Alles Geschmackssache.
Fragen wir doch einfach die Spieler-Frauen. Die dürfen am Recreation Day 16. 06. 2026 ja mit ins Quartier in Winston-Salem. Wir sind zwar wieder einmal bei einer FIFA WM in den USA, aber eben nicht im "Oak Brook Hills“ Golfhotel, dem Berti-Vogts-Headquarter von 1994, damals in Chicago. Die Mannschaft und nicht das Shirt ist der Star, nicht war Julian?!
So, jetzt muss ich aber packen. Morgen ist Malente-Memorial-Treffen in Zürich mit Günther Netzer, Jogi Löw und den anderen. Grübel-grübel, was ziehe ich bloß an, auf dem Flug? Ach komm, ich nehm‘ dass dunkelblaue Slim-Fit-Hemd von Strenesse.


