Innerhalb des Rosa-Rauschs grenzten sich die einzelnen Personen und Objekte somit einigermaßen augenverträglich im Pink-Brei voneinander ab.
Ähnlich dachte man auch im Hause der führenden Sportartikel-Hersteller im Vorfeld der FIFA WM 2026, wie uns „t-online“, „Stern“ oder der „Münchner Merkur“ berichten. Fußball-Schuhe in pink kontrastieren hervorragend zum Grün des Rasens und lenken den Blick direkt dorthin, wo sich das wahre Geschehen abspielt – auf Füße und Knöchel, die um einen Ball tanzen. Früher schauten wir viel zu oft auf die Frisuren der Spieler – jetzt stehen endlich die geschnürten Fußfesseln in Fokus. Ein Hoch auf den Barbie-Core-Trend.
Pink-, Rosa und Lachs-Farben waren bereits im 18. Jahrhundert in der höfischen Welt total angesagt, erlebten in den Roaring Twenties eine Renaissance als Style-Statement – auch dank des aufkeimenden Feminismus - und ab dem Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts avancierte das Spektrum jener Farbe, die kein radikales Rot werden kann und niemals ein Orange werden will, zur prägenden Farb-Palette der Popkultur. Im Schwerpunkt als die Farbe der Frauen.
Traditionell trugen Kinder in weiter zurückliegenden Zeiten weiße Kleidung. Später wurde rosa zur Farbe für Jungs und die Mädchen kamen in hellblau daher.
Erst in den 1950er Jahren kehrte sich die geschlechtsspezifische Zuweisung durch die Textil-Industrie und durch Marketing-Maßnahmen des Handels um. Blau für das männliche Geschlecht (siehe Matrosen-Look) und für Mädchen sowie Frauen galt fortan – pretty in pink. Doch jetzt zur FIFA WM 2026 ist Pink auch wieder en vogue für Männer, zumindest auf dem Laufsteg des Fußballrasens.
Im Frauen-Fußball – so zeigen KI-gestützte Foto-Recherchen im Netz – scheint sich der neue Töppen-Trend noch nicht durchgesetzt zu haben. Neben vereinzelten lachsfarbigen Fußball-Schuhen dominiert das klassische Weiß. Aber die FIFA WM 2027 der Frauen steht ja noch an.
Farbige und bunt-gemusterte Fußball-Schuhe gibt es neben den Klassikern in Schwarz und Weiß allerdings schon seit langen Jahren. Shirts und Schuhe von Mannschaften und Spielern sind bei weitem nicht nur die Arbeitskleidung der Kicker auf dem Rasen, sondern vor allem ein enorm umsatzstarker Faktor im Bereich der Fan-Kultur. Es soll Vereine geben, die machen mit ihren Merchandising-Produkten mehr Gewinn, als durch Ticket-Verkaufserlöse. Weltweit dürfte die Identifikation von Menschen – Kindern und Jugendlichen besonders - mit den Farben ihres Fußball-Vereins bedeutsamer und intensiver sein, als mit den Farben des Stadtwappens, der Landesfahne oder der Nationalflagge. Schwarz, pink, gold.
So wirklich klar ist nicht, welcher als erster Sportartikel-Hersteller mit einer Schuh-Kollektion in Pink auf den Markt kam. Ist im Prinzip auch egal, denn im Bereich Outfit gilt, dass i.d.R. jeder new style vom Avantgarde-Trend zum Massen-Hype wird. Einer fängt an und schon ziehen fast alle nach. Das gilt auch für die Design- und Marketing-Abteilungen von Adidas, Nike, Puma und anderen Herstellern.
In der Tat dürfte das optische Momentum - der Pink-Grün Kontrast – die wesentliche, die mediale Rolle gespielt haben, auch wenn die einheitliche Schuh-Farbe auf den ersten Blick die Marken-Unterscheidbarkeit trübt. Es geht um die TV-Übertragungen für ein Publikum weltweit.
Denn sind wir mal ehrlich – Stadion-Erlebnis hin oder her – egal wo man sitzt, man hat nie einen so guten Überblick über das Spiel, wie vor dem Fernseh-Bildschirm. Sitz man im Stadion auf den höheren Rängen, erscheint das Spielgeschehen wie ein Miniaturwunderland, sitz man irgendwo weit unten nahe am Spielfeldrand oder direkt hinter dem Tor, fehlt der Blick auf das Gesamtgeschehen. Nur im TV mit zahlreichen Kamera-Einstellungen sieht man nahezu alles. Bis ins Detail der Großaufnahme, wenn der eine Fuß den Knöchel des anderen trifft, statt den Ball. Und nochmal dreimal in Zeitlupe. Da erkennt man dann auch, welcher Schuh in pink von welchem Hersteller ist.
Aus Sicht der Teams und deren Verbänden sind die Hersteller die Ausstatter, die Sponsoren mit Verträgen – auch für die Schuh-Lieferung. Nix da mit der Frage, gibt’s die auch in der Farbe Limetten-Lush? Wenn der Sponsor Pink liefert wird Pink getragen. Basta.
Insofern kokettierte Joshua Kimmich in den Medien geschickt in seinen Antworten auf die Frage zum Schuhwerk in Pink, als er bekundete, dass er sich über die Farbe keine großen Gedanken macht und einfach nimmt was kommt. Eben - er muss nehmen was kommt, wegen der Sponsorenverträge.
Gedanken machen können sich Messi, Mbappé, Ronaldo, Vinícius Júnior, Kane und ein paar andere lebende Legenden mit individuellen Sponsoren-Verträgen. Sie unterliegen nicht dem Gruppenzwang, sondern können ihre Spiel-Schuhe frei wählen, meist die eigne Signatur-Marke. Die kann auch in Pink daherkommen, muss aber nicht. Als sein Markenzeichen trug Tony Kroos immer weiße Treter.
Die Sportartikel-Hersteller spielen eine wichtige Rolle im Fußball-Geschäft. Adidas ist dabei der einzige FIFA-Partner. Doch insgesamt geht es für alle Sportartikel-Hersteller ja nicht nur darum, lediglich Fußball-Teams auszustatten, sondern um den weltweiten Verkauf ihrer Produkte. Die Stadien des größten Fußball-Festes der Welt sind dabei die Bühnen. Die wahre Musik spielt jedoch woanders. Bei den Übertragungsrechten. Und die gehören weltweit allumfassend MAGENTA TV. Magenta, die Mutter aller kolorierten Kinder in der Pink-Palette. Für alle 104 Spiele Tag und Nacht.
„Heute Nacht“ ist der offizielle Song von Magenta TV zur FIFA WM 2026 im deutschen Fernsehen – gesungen von Helene Fischer. Pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft startete sie ihre Tour zum 20-jährigen Bühnen-Jubiläum durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Unterstützt von Tchibo mit der „Barbie x Helene Fischer“ Kollektion. Badelatschen, Kaffee-Becher, Sweatshirts, Snack-Boxen, Pyjamas und mehr – logisch, alles in Pink. Und natürlich mit einer Helene-Fischer Barbie-Puppe aus dem Hause Matell als High-Light.
Bei vergleichsweise moderaten Ticket-Preisen je nach Spielstätte und Steh- / Sitzplatz zwischen 80,00 € und rund 500,00 € erlebt die zirkusreife Schlagersängerin im Jahr 2026 wahrscheinlich ihr zweites Sommermärchen - auf dem Konto. Sie wird aber an Taylor Swift längst nicht herankommen.
Und so schließt sich der Kreis und wir landen am Ende dann doch wieder beim Barbie-Klischee, werden aufgesaugt von der Macht des Rosafarbigen oder saugen es selbst ein. Beinahe wie bei den Flamingos. Diese schlürfen ständig mikroskopisch kleine Algen und carotin-haltige Krebstierchen. Der rosa Farbstoff der Krebstierchen wird über die Leber ins Blut ausgeschieden und färbt die Haut- und Federpartien rosa ein. Je farbiger, umso besser klappt das Dating unter den Flamingos. Pink macht attraktiv. Aber eben nur in einer Welt, die vom Pink lebt, in der Pink-, Rosa- und Lachs-Farben das Leben an sich bedeuten. Erinnern Sie sich? Als BARBIE im Film aus ihren High-Heels steigt, um sich plattfüßig in die echte Welt „da draußen“ aufzumachen, wird sie angefeindet, gejagt und scheitert letztendlich.
Für uns alle anderen in der Welt da draußen bleibt das Leben immerhin regenbogenfarbenfroh. Und Fußball ist unser Leben – zumindest für rund sechs Wochen lang bei einer Weltmeisterschaft. Warum also nicht für jedes WM-Team die passenden Flaggenfarben als Schuhwerk-Style.? Gerne auch mit Tupfen, Streifen und etwas Glitzer.
Ich kann die Frage hier aber leider nicht abschließend beantworten, denn ich muss los. Ins Magenta-Studio in Manhattan. Thomas Tuchel kommt zum Gespräch vorbei und mit Johannes B. Kerner diskutieren wir dann, ob Jürgen Klopp als Red Bull „Head of Global Soccer“ - noch - der wahre „Kloppo“ ist.


