Grundsätzlich kann fury beides bedeuten – Wut und Zorn. Doch im Deutschen wie im Englischen gilt der Zorn als Steigerung der Wut.
Während sich die Wut i.d.R. schnell aufbaut, kurz ausbricht und dann wieder abflaut, ist der Zorn so etwas wie eine anhaltende Wut. Man zürnt lange, ist in Rage gebracht und beruhigt sich nicht so leicht und schnell, wie nach einem spontanen Wutanfall. Das liegt zumeist am auslösenden Anlass für beide Ausdrucksformen des menschlichen Impulsverhaltens.
Kurzfristig auftretende Ereignisse mit nur punktuellen Problematiken, wie ein kleiner empfundener Nachteil, eine schroffe Zurückweisung, Beleidigung oder alltägliche Missgeschicke machen uns plötzlich wütend, aber die Wut verfliegt alsbald wieder.
Emotional tiefer gehende Ereignisse und Umstände, wie ein extremer Vertrauensbruch, soziale Ungerechtigkeiten oder negativ zu tragende Konsequenzen infolge getroffener Fehlentscheidungen, rufen in uns eher den sich manifestierenden Zorn hervor. Er verschwindet nicht so leicht, schwelt nach und entflammt sich gelegentlich immer wieder aufs Neue.
Im Englisch beschreibt at rage den Zorn bzw. das zornig sein besser. Man ist - wie im Deutschen - nachhaltig in Rage gebracht. Und es gibt noch eine Steigerung des menschlichen Zorns – den der Götter. Im Englischen the wrath, der ultimative Zorn Gottes. Im monotheistisch-religiösen Bereich wissen wir zumindest in drei Fällen, was passiert, wenn der einzige, zornige Gott mit epischem Ausmaß straft – Vertreibung aus dem Garten Eden, Absaufen in weltweiter Sintflut und Zerstörung von Sodom und Gomorra.
Am Anfang war also nicht nur die Finsternis, sondern auch der Zorn – als Mittel der höchstgöttlichen Sanktionierung des fehlbaren und sündigen Menschen.
Im „Sonntagsblatt“ (Online-Magazin Evangelischer Presseverband Bayern e.V.) schreibt Eva- Katharina Kingreen am 04. 03. 2026 in ihrem Artikel, „Bereits Platon schrieb dem Zorn eine eigene Würde zu und setzte ihn direkt neben die Vernunft – "damit er der Vernunft gehorche", heißt es im "Timaios". Zorn war für Platon kein Gegner der Vernunft, sondern ihr verlängerter Arm – zumindest, wenn er männlich war. Diese Differenzierung wirkt bis heute nach.
Sie bleibt relevant, wenn man über einen Krieg nachdenkt, der den Namen "Epic Fury" trägt.“
(Hier den kompletten ArtikGoogleel lesen >)
Luftschläge ohne stichfestes Konzept
Donald Trump, Mario Rubio und Pete Hegseth wurden nach den erfolgreichen Angriffen auf das iranische Führungspersonal und der Tötung des Obersten Religionsführers von Ajatollah Ali Khamenei sowie weiterer führender Regime-Kräfte, dann ab dem 02. 03. 2024 nicht müde zu betonen, dass es sich bei der Operation Epic Fury – anders als einst im Irak und in Afghanistan – nicht um eine us-amerikanische regime change Aktion und schon gar nicht um Ambitionen hinsichtlich eines nachfolgenden nation building handelt.
„This is not a so called regime change war but sure the regime did change. And the world is better off for it.”, so Pete Hegseth am 02. 03. 2026. Zuvor hatte sich Trump in seiner Rede vom 28. 02. 2026 an die Weltöffentlichkeit gewandt und die Beweggründe und Ziele der USA bezüglich der Operation Epic Fury gegen den Iran erläutert.
Explizit kam darin der Begriff regime change nicht vor, jedoch wurden die trumpschen Aussagen zunächst als Regimewechsel-Absicht interpretiert. Denn laut Trump sollen das iranische Regime, die iranischen Waffen sowie die Produktionsstätten für den Atom-Bombenbau mit militärischen Mitteln durch die USA beseitigt werden – zunächst – um nach getaner Vorarbeit durch US-Bombardements, der iranischen Bevölkerung dies schmackhaft zu machen, wie es Donald Trump am Ende seiner Rede formulierte:
„Und schließlich sage ich dem großen, stolzen Volk des Iran heute Abend, dass die Stunde eurer Freiheit gekommen ist. Bleibt geschützt. Verlasst euer Haus nicht. Draußen ist es sehr gefährlich. Überall werden Bomben fallen. Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung. Sie wird euch gehören. Das wird wahrscheinlich eure einzige Chance für Generationen sein.“
Nach dem Erstschlag-Erfolge gegen das iranische Führungspersonal erzielt worden waren, konnte Pete Hegseth Absicht und Zielsetzung präzisieren „… sure the regime did change. And the world is better off for it.” Sicher, das Regime hat gewechselt. Und dadurch ist die Welt besser dran.
Man beachte – zwei Tage nach dem Tod von Ajatollah Ali Khamenei und anderen Regime-Größen – kann Hegseth mit leichter Lippe und wortspielerisch im grammatikalischen Perfekt sprechen. Denn man hatte ja binnen zweier Tage tatsächlich Teile des bisherigen Regimes hinweggefegt. Geändert hat sich somit etwas, durch die militärische Nicht-Regimewechsel Offensive der USA. Und dann fährt Hegseth in seiner Rede weiter fort, wie Trump Tage zuvor auch.
„We hope the Iranian people take advantage of this incredible opportunity. President Trump has been clear now is your time.”
Die USA wollen keinen Regimewechsel, aber den Wechsel des Regimes. Das ist keine Wortklauberei, sondern genau genommen der Versuch, die Quadratur des Kreises aus sicherheitspolitischen Anforderungen und militärischer Notwendigkeit zu deren Durchsetzung zu lösen, ohne sich dabei in die Rolle der Verantwortung für das weitere Geschick des iranischen Staates und seiner Bevölkerung zu begeben.
Trump als Commander-in-Chief und Hegseth neuerdings als Secretary of War, wollen zwar aus berechtigten und wohl nicht ganz völkerrechtlich korrekten Gründen das evil empire Iran in Grund und Boden bomben, sprich die bad guys des Ajatollah-Regimes auf den Thronen und an den Schalthebeln der Macht beseitigen, aber die wirklich wahre Drecksarbeit soll die iranische Bevölkerung von innen heraus selbst leisten. Bloß wie? Durch Massen-Proteste, durch Generalstreik, durch Resistance- und Guerilla-Kämpfer? Rufen plötzlich über Nacht oppositionelle Kräfte in jener Schia-Republik, in der seit knapp vier Dekaden die religiös-extremen Ideologen eines schiitischen Gottesstaates die brutale Oberhand über nahezu alle aufklärerische Vernunft erlangt haben, zu demokratischen Ajatollah-Wahlen auf und säkularisieren dabei noch das staatliche System?!
Eigene US-Soldat*innen will und kann Trump nicht per boots on the ground schicken. Auch wenn er und Hegseth die amerikanische Öffentlichkeit vorgewarnt haben, dass ein derartiger Kampf-Einsatz im Iran auch personelle Verluste haben möge, kann sich Trump größere Verluste im Lichte der US-Öffentlichkeit nicht leisten.
O-Ton Hegseth, „As the president warned an effort of this scope will include casualties. War is hell and always will be. A grateful nation honors the four Americans we have lost thus far and those injured. The absolute best of America.” (Zum Zeitpunkt der Rede, inzwischen sechs Tote US-Bürger; Anm. d. Red.)
Donald Trump sitzt gewissermaßen in der innenpolitischen Falle, hat er doch seinen Landsleuten versprochen, keine Kriege zu führen und amerikanische Soldat*innen nicht mehr für die Sache anderer Staaten zu opfern. Der „Venezuelian Way“ kann im Iran nicht funktionieren.
Der selbsternannte peacemaker Trump malt es sich allzu einfach aus, wenn er meint nach Tagen oder einigen Wochen US-Bombardement sammeln die Iraner die Scherben auf und marschieren danach auf die Kasernen der Armee, der Revolutionsgraden und der Polizei los, um hunderttausende von regimetreuen Soldat*innen zu entwaffnen.
Und weil Trump inzwischen selbst dahintergekommen ist, dass ein bewaffneter Aufstand der iranischen Bevölkerung von innen heraus wohl nicht funktionieren wird, wendet er sich dieser Tage an die Kurden im Iran und Irak, um in deren Reihen mit CIA-Hilfe kampffähige Bodentruppen zu mobilisieren und auszurüsten.
Im Kampf gegen den IS standen syrische (YPG-Einheiten), türkische (PKK / HPG-Einheiten) und irakische (Peschmerga) Kurden den USA zur Seite – warum jetzt nicht wieder?
Selbst wenn sich hier so etwas wie eine kurdische Allianz der Willigen mit US-Waffenlieferungen und CIA-Aktivitäten formieren ließe, wäre der geforderte Preis wahrscheinlich sehr hoch seitens der Kurden. Denkbar ist hier die Forderung der Kurden nach einem gesteigerten Engagement der USA bezüglich der Errichtung eines unabhängigen Kurden-Staates. Damit hätte Trump ein neues Problem in Sachen internationaler Konfliktlösungspolitik am Hacken, ganz zu schweigen davon, was Recep Tayyip Erdogan von einem trumpschen Deal mit den Kurden halten würde. Es ist bereits schwer genug für die US-Administration, die Golf-Staaten bei Laune zu halten, während dort zivile Stätten per iranischem Raketeneinschlag Feuer fangen, niederbrennen und Prinz Mohamed Bin Salem um die störungsfreie Realisierung seiner „Saudi Vision 2030“ fürchten muss.
Die durchaus „noble Mission“ Epic Fury, wie der US-Präsident die - streng genommen noch nicht Krieg zu nennende - Militär-Offensive gegen die Iran-Führung umschreibt, ist zweifelsfrei am Ende einer fast endlosen Kette von international geführten Verhandlungen und Sanktionsmaßnahmen gegenüber dem Iran als Militärmacht auf dem Weg zur Atombombe, als religiös-extremistisch geprägtem Unrechtsstaat und letztendlich auch als Bedrohung Israels und einer ohnehin notorisch fragilen Situation im Nahen und Mittleren Osten, ein über kurz oder lang absehbar gewesener Schritt. Dem stimmt sogar John Bolton grundsätzlich zu. Ein militärisch harter und heftiger Schritt, auf den allerdings weitere starke Schritte der befriedenden Neu-Ordnung im Iran auf dem Fuße folgen müssten.
Doch dies bleibt die bange Frage – welche Gangart schlägt wer demnächst ein? Auch John Bolton zweifelt am Trump-Konzept, am langen Atem und Durchhaltewillen des präsidialen deal makers, der stets auf einen schnellen Absch(l)uss aus ist. Man kennt sich.
Für die iranischen Führung haben die USA zwar klare Amageddon-Antworten im Köcher – die iranische Bevölkerung lassen sie mit Hoffnung schürenden Andeutungen und heroischen Appellen weitgehend im Unklaren. Erhebt Euch! Dieser Barrikaden-Ruf aus dem Oval Office wird für einen echten Wechsel innerhalb des iranischen Shia-Regimes nicht ausreichen. Also längst noch lange nichts mit einem enduring freedom am Persischen Golf.
Bestenfalls wird der Iran mit seinen Proxies militärisch und waffentechnisch so deutlich und nachhaltig durch anhaltende US- und Israel-Angriffe geschwächt, dass der „Oktopus“, wie man den Iran in Israel auch nennt, mit abgeschlagenen Tentakel-Armen so verletzt darnieder liegt, dass sein zuckender Rest-Körper am Persischen Golf für längere Zeit nur noch vor sich hin dümpelt. Doch abgetrennte Oktopus-Tentakeln wachsen nach.


