In Thüringen regiert seit Dezember 2024 sogar eine „Brombeer-Koalition“ aus CDU (23 Sitze), BSW (15 Sitze) und SPD (6 Sitze) mit dem Landeschef Mario Vogt an der Spitze. Als letzte Bastion gegen die Höcke-AFD, nachdem die LINKEN mit Bodo Ramelow bei der Landtagswahl 2024 17,9 % verlor und das BSW mit 15,8 % erstmalig in den Thüringer Landtags einzog.

Thüringen, Thüüüringen, ist eines von den Schwierigen

Anfang September 2026 krachte es im BSW Thüringen gewaltig. Der BSW löste sich auf, alle 15 Mitglieder (inkl. Vize-Ministerpräsidentin und Finanzministerin Katja Wolf sowie 2 weitere Minister) traten aus der Partei aus. 10 Mitglieder gründeten in Windeseile die neue Partei „THÜRINGEN GERECHT“ und bilden im Landtag mit 9 Abgeordneten und einem parteilosen Ex-BSW Abgeordneten seitdem eine 10-köpfige Fraktion. Diese gehört weiterhin der Regierungskoalition an. Die anderen 5 Ex-BSW-ler gehören ebenfalls weiterhin dem Thüringer Landtag an – nun als parteilose Abgeordnete.

Nach dieser Rochade auf dem Schachbrett der Thüringer Landesregierung verfügt Mario

Voigt weiterhin über 39 halbwegs getreue Gefährt*innen gegenüber der AFD (32 Sitze), LINKE (12 Sitze), weil er von den Parteilosen Ex-BSW-lern (5 Sitze) in seiner Minderheitsregierung unterstützt oder wenigstens geduldet wird.

In Umfragen vom Anfang Juli 2026 liegt die CDU Thüringen bei rund 22 %, die AFD pendelt knapp an der 40 % Marke. Die nächste Landtagswahl ist erst im Sommer / Herbst 2029.
Per Antrag strebt die AFD derzeit Neu-Wahlen an (geplante Abstimmung im Landtag 07. 10. 2026). Dafür ist eine Zweidrittel-Mehrheit an Ja-Stimmen der Abgeordneten nötig. Trotz der aktuellen Querelen ist der AFD-Antrag mangels nötiger Zustimmung aus dem Regierungslager zum Scheitern verurteilt. Noch sitzt die CDU in Thüringen mit Mario Vogt fragil-stabil im Sattel.

„Steige hoch, du roter Adler, hoch über Sumpf und Sand …“

Seit November 1990 bis heute - 35 Jahre lang – wird Brandenburg von sozialdemokratischen Ministerpräsidenten (Manfred Stolpe 1990 – 2002, Mattias Platzek 2002 – 2013, Dietmar Woitke seit 2013) mit wechselnden Koalitionspartnern regiert , Auch in Brandenburg konnte die AFD seit 2014 zwar nicht klein gehalten werden (29,2 % / 30 Sitze Landtagswahl Wahl 2024), aber die SPD war während dreieinhalb Jahrzehnten (bis auf 2019) stabil für 30 % plus X gut. Die Älteren unter den Sozis erinnern sich noch heute unter Tränen – bei der Landtagswahl zum 2. Brandenburger Landtag im vereinigten Deutschland im Jahr 1994, fuhr Manfred Stolpe für die SPS mit 54,1 % die absolute Mehrheit ein.

Die Talfahrt der CDU – von 1990 bis 2014 zwischen ca. 18 % - ca. 29 % - stark schwankend setzte in Brandenburg nach 2014 ein (12,1 % Landtagswahl 2024). Die traditionell in diesem Bundesland mit durchschnittlich 24 % starke LINKE landete bei der Landtagswahl 2024 gewissermaßen über Nacht bei 3,0 % und wurde von den Wähler*innen durch das damals neu gegründete BSW ersetzt (13,5 %). Die FDP war 2014 bereits untergegangen, die GRÜNEN kamen 2024 nicht mehr in den Landtag.

Somit hätte eine Koalition aus SPD und CDU mit 44 Sitzen keine Mehrheit gehabt (88 Sitze im Landtag von Brandenburg). Zu einer Dreier-Koalition als klarem Signal der Geschlossenheit gegen die AFD war die CDU als nur noch viertstärkster Kraft wegen der Beteiligung des BSW auf Platz 3 nicht bereit. Folglich musste Dietmar Woitke mit dem BSW (SPD 32 Sitze / BSW 14 Sitze) eine Regierungskoalition eingehen, um Brandenburg als Ministerpräsident weiter unter den Zügeln der SPD zu halten. No risk – no fun in „märk‘scher Not“.

Doch der Fun-Faktor mit dem BSW hielt sich auch in Brandenburg in Grenzen. Pünktlich zum Karnevalsaisonbeginn am 11. 11. 2025 traten 4 BSW-ler aus ihrer Partei aus, verblieben aber als parteilose Abgeordnete im Landtag. Ihrer Partei-Austritt begründeten sie mit zunehmend „radikalisierenden Positionen“ im BSW, wie die TAZ am 12. 11. 2025 schreibt. Und weiter zur Begründung der 4 Parteiaussteiger, „Autoritäre Tendenzen prägen zunehmend mehr das innerparteiliche Klima, der Druck auf Abgeordnete wächst, während offene Diskussionen und die Einbindung unterschiedlicher Stimmen in den Hintergrund treten.“ Sarah Wagenknecht was not amused.

Hintergrund für die Verärgerung der abtrünnigen 4 BSW-ler waren nicht nur innerparteiliche Konflikte, sondern vor allem auch der Streit mit der SPD über den zu beratenden und abzustimmenden Medienstaatsvertrag im Zuge der Reformbestrebungen von ARD / ZDF / D-Radio im Jahr 2025, wie die TAZ weiter schreibt. Im Reform-Vertragswerk, dass allen Bundesländern seitens ARD / ZDF / D-Radio zur Abstimmung und nötigen Zustimmung vorgelegt worden war, kritisierte das BSW Brandenburg zahlreiche Punkte und forderte Änderungen. Dabei geriet man mit der SPD in Streit sowie auch im BSW, bis in die Bundesspitze hinein. (siehe BSW-Presserklärung >).

Letztendlich blieb der BSW bei seiner Ablehnung des vorgelegten Medienstaatsvertrags und stimmte mit 10 Abgeordneten im November 2025 im Landtag mit Nein. Ebenso die AFD. Die Zustimmung wurde jedoch mit Stimmen der CDU-Fraktion erreicht. Hätte Brandenburg als einziges und letztes Bundesland nicht zugestimmt, wäre das gesamte Reformwerk gescheitert. Wegen des BSW im Land der knorrigen Kiefern.

Ohne auf einzelne strukturelle und inhaltlich Kritikpunkte bei der Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einzugehen sei angemerkt, dass BSW und mehr noch die AFD, über Aspekte sachlicher Kritik hinaus, sich als politische Player im „Staatsfunk“ als unterrepräsentiert und teilweise nicht respektvoll behandelt fühlen. Zudem nutzten beide Parteien, insbesondere die AFD, die „GEZ-Gebühren“ als eine Art Kampfbegriff in der gesamten Medien-Debatte, indem vielfach verschwurbelt unterstellt wird, die „Zwangsabgabe“ diene auch dem Aufzwingen von Meinungen und Haltungen in der öffentlich-rechtlichen Medienwelt.
Und so kann man hinter dem Aufstand des BSW Brandenburg wider den Medienstaatsvertrag, unterschwellig auch vermuten, dass dem BSW diese oder jene kritische Berichterstattung der Medien über die eigene Partei missfällt und man deshalb speziellen Reformbedarf anmeldet. Als wäre Sarah Wagenknecht nicht oft genug in Talk-Shows.

One Woman – One Vote

Wie schwierig das Gut-Kirschen-Essen mit der „Brombeer“-Partei nicht nur auf dem parlamentarischen Parkett, sondern insbesondere auch in den eigenen Reihen des BSW ist, erweist sich an der Namensgeberin selbst. Sarah Wagenknecht hat sich im Zuge ihres politischen Wirkens seit 1989 / 1990 schließlich im Jahr 2024 eine Privat-Partei zusammengebastelt, mit der sie ihre Vorstellungen eines reformierten „kreativen Sozialismus“ umsetzen will. „Marktwirtschaft ohne Kapitalismus“ und einen „Sozialismus ohne Planwirtschaft“ - so fasst die Wikipedia-Community die Inhalte aus Wagenknechts Buch „Freiheit statt Sozialismus“ schlagwortartig zusammen. Doch die kreative Entfaltung im linkspolitischen Spektrum ging im BSW schnell in Richtung rechts. Das Sozialistische und soziale paarte sich mehr und mehr mit dem Nationalen innerhalb des BSW und führte im Jahr 2026 zu Zerwürfnissen in der Wagenknecht-Partei.

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) kämpft seit seiner Gründung Anfang 2024 mit enormen strukturellen, strategischen und personellen Problemen, die im Sommer 2026 in einigen Landesverbänden eskalierten, hier kurz einige Gründe für die innerparteiliche Partei-Revolte:

Radikaler Bruch, Parteiaustritte, Auflösung der Landtagsfraktion und Zerfall von Landesstrukturen in Thüringen.
Extrem autoritärer Führungsstil und massive Eingriffe in die politische Arbeit von Landesverbänden durch die Bundesspitze.
Mediale und inhaltliche Fokusierung auf die Person Wagenknecht im Verbund mit Bestrebungen das Mitgliederwesen und die Parteistrukturen einer zentralen Kontrolle zu unterwerfen.
Strategisch-inhaltliche Hinwendung ins rechte bis hin rechtsextreme Lager der AFD, insbesondere im Landtagswahlkampf Sachsen-Anhalt 2026. BSW-Unterstützung durch rechte Medien und Akteuren in AFD-nahen Vorfeldorganisationen (z.B. Anzeigenschaltung für Zweitstimmen-Kampagne).
Äußerst knapp scheiterte das BSW mit 4,98 % an der 5-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl 2024. Nach mehreren Klagen des BSW wegen vermuteter Fehlerhaftigkeit bei der Stimmenauszählung, wurde gerichtlich abschließend im Ende April 2026 Rechtmäßigkeit des Wahlergebnisses festgestellt. Dennoch wird Wagenknecht nicht müde, in verschwörungstheoretischer Manier die „demokratische Legitimation“ des Bundestages sowie die gerichtlichen Urteile weiterhin anzuzweifeln.

Die laufenden BSW-Konflikte dürften sich auch infolge der für Oktober 2026 angestrebten Namensänderung von „Bündnis Sarah Wagenknecht“ in „Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftlich Vernunft“ (BSGWV) kaum aus der Welt schaffen lassen.

Obwohl die Partei in ihrer noch jungen Geschichte anfangs beachtliche Wahlerfolge feierte, sieht sie sich mittlerweile im Auge der Wähler*innen dem Untergang geweiht. Mit programmatisch-systemischem Richtungswechsel versucht das BSW gegenzusteuern und sich weiter am Leben zu halten. Durch den politischen „Flirt“ mit dem rechtsextremen AFD-Lager wird im BSW konzeptionell sowie inhaltlich versucht, das Deutsch-Nationale mit dem Sozialistischen zu verquicken. Irgendwie als „das Beste aus zwei Welten“.

Man kann wissen, dass im rechtsradikalen Lager der „Flirt-Faktor“ mit dem Sozialismus aus rein taktischen Gründen hinsichtlich der Wähler*innen-Gewinnung, schon einmal eine bedeutende Rolle gespielt hat. Nach längeren Diskussionsprozessen innerhalb der Deutschen Arbeiterpartei (DAP), verkündete das damalige Neu-Mitglied Adolf Hitler am 24. 02 1920 im Münchner Hofbräuhaus schließlich die Umbenennung der DAP in die NSDAP.


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